L’anthropologie de la médecine naturelle autour de 1900 : l’homme-plante

Die Naturheilkunde (Physiatrie), wie sie sich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in den deutschen Landen etablierte, nämlich als Antwort auf eine noch unzulängliche akademische Medizin, gab zunächst einmal den hydriatischen Anwendungen den Vorzug, dann jedoch ab 1850 dem „Lichtluftbad“. Der Vorr...

תיאור מלא

שמור ב:
מידע ביבליוגרפי
הוצא לאור ב:URI:https://journals.openedition.org/ceg,
מחבר ראשי: Cluet, Marc
פורמט: Article ou chapitre numérique
שפה:Français
יצא לאור: Cahiers d’études germaniques 2020
נושאים:
גישה מקוונת:Accès Université d'Orléans et IFPM
Accès Université d'Orléans et IFPM
תיאור
סיכום:Die Naturheilkunde (Physiatrie), wie sie sich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in den deutschen Landen etablierte, nämlich als Antwort auf eine noch unzulängliche akademische Medizin, gab zunächst einmal den hydriatischen Anwendungen den Vorzug, dann jedoch ab 1850 dem „Lichtluftbad“. Der Vorreiter auf dem Gebiet, Arnold Rikli (1823-1906), prägte die Formel vom Menschen als einem „Lichtluftgeschöpf“, das der Pflanze näher sei als dem Fisch. Diese Idee wurde in den 1890er Jahren vertieft vom Nietzscheaner Heinrich Pudor (1865-1943), der über verschiedene Aphorismenbände ein Lebensreform-Programm entwickelte, das auf der Vorstellung eines Pflanzenmenschen beruhte. Es galt nicht nur, den Menschen durch Berücksichtigung der Pflanze in ihm bei Gesundheit zu halten, sondern vor allem auch dazu zu bringen, von den Pflanzen zu lernen – bei ihnen gewisse Tugenden zu entlehnen, etwa Genügsamkeit, Sanftheit, Lässigkeit… Wenn das pflanzliche Vorbild um sich greifen könnte, so wäre die Gesellschaft insgesamt… menschlicher. Das Nachleben des Pflanzenmenschen in den Reihen der Lebensreform fällt eher spärlich aus. Eine markantere Ausnahme bietet sich mit dem Jugendstilmaler und -graphiker Fidus (1868-1948), der das besondere Thema der „pflanzlichen Liebe“ aufgriff. Er ermunterte alle Liebenden zu keusch-sinnlichen Umarmungen, wodurch de facto der Malthus’schen Lehre eine freundlichere Gestalt gegeben wurde. Sind der Pflanzenmensch der Romantiker und die Pflanzenfrau des Jugendstils und des Art Nouveaus wohl bekannt, so muss dieses Kapitel historischer Anthropologie noch beleuchtet werden, zumal es an gewisse Bestrebungen der Gegenwart anklingt.