Fausts Melancholie und Sprachpessimismus in Faust I

Der anthropologische Hintergrund von Fausts Melancholie ist weitgehend von Hans-Jürgen Schings und Paul Requadt ausgeleuchtet worden. Indem wir sie in Zusammenhang mit seinem Sprachpessimismus untersuchen, versuchen wir, sie in den Kontext einer „poetischen Revolution“ zu stellen, die den Sprechakt...

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Shranjeno v:
Bibliografske podrobnosti
izdano v:URI:https://journals.openedition.org/rg,
Glavni avtor: Dumiche, Béatrice
Format: Article ou chapitre numérique
Jezik:Allemand
Izdano: Recherches germaniques 2019
Online dostop:Accès Université d'Orléans et IFPM
Accès Université d'Orléans et IFPM
Opis
Izvleček:Der anthropologische Hintergrund von Fausts Melancholie ist weitgehend von Hans-Jürgen Schings und Paul Requadt ausgeleuchtet worden. Indem wir sie in Zusammenhang mit seinem Sprachpessimismus untersuchen, versuchen wir, sie in den Kontext einer „poetischen Revolution“ zu stellen, die den Sprechakt dem sich auf der Suche nach seiner eigenen Verwirklichung befindenden Individuum zuordnet. Die Entdeckung des irrationalen Substrats der Sprache im Faust I erscheint insofern als Begegnung mit dem unbegründbaren Ursprung des Subjekts, die die Übereinstimmung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos radikal infrage stellt. Die Sprachkrise des christlichen Ausnahmemenschen Faust ist demnach nicht nur persönlichen Ursprungs, sie betrifft das gesamte, auf der Theodizee basierende Wissenschaftsverständnis, das sowohl in der Szene mit dem Studenten wie in der Hexenküche durch sein mephistophelisches alter ego als Charlatanerie entlarvt und der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Der Faust I ist in dieser Hinsicht eine Auseinandersetzung Goethes mit seiner eigenen Überforderung der Sprache in seiner Jugenddichtung, die zwischen einer Art prophetischen Humanismus und der empfindsamen Verklärung der prästabilierten Harmonie schwankt und in einen Selbstekel mündet, dessen einziges Gegenmittel Satiren und Hanswurstiaden sind. Der Faust I überspitzt diese Spannung in der Konfrontation zwischen dem Protagonisten und Mephisto, die zur Schaffung eines modernen Sprachverständnisses und der entsprechenden Dramatik führt, indem sich ein Diskurs entwickelt, der auf die Normativität des absoluten Wahrheitsbegriffes verzichtet und die Sprache als Selbstvermittlung des Individuums begründet.