„Die Einheit von Kunst und Leben“ – eine totalitäre Utopie der politischen und künstlerischen Avantgarde. Die Kulturrevolution in der SU 1929 und der Bitterfelder Weg in der DDR 1959 im Vergleich

Mit dem Programm des „Bitterfelder Weges“, benannt nach der „I. Bitterfelder Konferenz“ im April 1959 im Kulturhaus auf dem Gelände des VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld, fordert die SED von den Künstlern, die „Einheit von Kunst und Leben“ sowie die Überwindung der „Kluft zwischen Kunst und...

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المؤلف الرئيسي: Gillen, Eckhard
التنسيق: Article ou chapitre numérique
اللغة:Allemand
منشور في: ILCEA 2012
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الملخص:Mit dem Programm des „Bitterfelder Weges“, benannt nach der „I. Bitterfelder Konferenz“ im April 1959 im Kulturhaus auf dem Gelände des VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld, fordert die SED von den Künstlern, die „Einheit von Kunst und Leben“ sowie die Überwindung der „Kluft zwischen Kunst und Volk“ durch die „Volkstümlichkeit“ ihrer Kunst und die Förderung der Laienkunst („Bildnerisches Volksschaffen“) unter Anleitung der Berufskünstler zu realisieren. „Auf diese Weise […] wird die Trennung von Kunst und Leben bei uns in der DDR ein für allemal überwunden werden.“ Die Künstler sollten als Zirkelleiter die Arbeiter künstlerisch ausbilden, um sie so im Sinne des „sozialistischen Humanismus“ zu „neuen Menschen“, die alle ihre Fähigkeiten entfalten können, zu machen. Damit sollte die kapitalistische Ausbeutung der Arbeiter durch einseitige Arbeit am Fließband überwunden werden. Der Appell, die Trennung zwischen Kunst und Leben aufzuheben, erinnert an die Manifeste der deutschen Expressionisten und Aktionisten nach dem Ersten Weltkrieg sowie der sowjetischen Avantgarde während der Kulturrevolution in den 20er Jahren. Die Künstler als ‚bürgerlichen‘ Einzelgänger und Individualisten sollen auf dem „Bitterfelder Weg“ von den Arbeiterkollektiven diszipliniert und dem Einfluss der Partei-Funktionäre gefügig gemacht werden. Das Prinzip der Erziehung des Künstlers durch das Volk schlägt aber in sein Gegenteil um: Die Künstler solidarisieren sich mit den Arbeitern und ihrem Widerstand gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Christa Wolf wird auf dem „Kahlschlagplenum“ im Dezember 1965 klar, „daß die Verbindung der Künstler mit den Betrieben dazu führte, daß sie realistisch sahen, was dort los war, daß sie Freundschaften mit Arbeitern, mit Betriebsleitern und mit Leuten anderer Berufe knüpften und daß sie Bescheid zu wissen begannen auch über die ökonomische Realität in diesem Land“. Daher wurde von der Partei diese Möglichkeit zur Einmischung durch Kunst, die von Künstlern und Schriftstellern vehement ergriffen worden ist, um 1965 wieder beendet. Es entstand aber in der Folge eine wirklich ‚realistische‘ Kunst in der DDR, die den idealistischen und verlogenen „Sozialistische Realismus“ überwand. Parallelen mit Ai Weiweis Rolle in China und dem Umgang mit ihm liegen auf der Hand.