„Der Daten eingedenk bleiben“

Ganz anders als es der Titel von Uwe Johnsons Roman erwarten lassen könnte, begehen die Jahrestage nicht einfach nur Jubiläen der kollektiven oder privaten Erinnerung. Im Bewusstsein, dass Walter Benjamin zufolge jedes Dokument der Kultur und damit auch der Überlieferung der Kultur immer auch eines...

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Bibliografiske detaljer
Udgivet i:URI:https://journals.openedition.org/ceg,
Hovedforfatter: Zschachlitz, Ralf
Format: Article ou chapitre numérique
Sprog:Allemand
Udgivet: Cahiers d’études germaniques 2023
Fag:
Online adgang:Accès Université d'Orléans et IFPM
Accès Université d'Orléans et IFPM
Beskrivelse
Summary:Ganz anders als es der Titel von Uwe Johnsons Roman erwarten lassen könnte, begehen die Jahrestage nicht einfach nur Jubiläen der kollektiven oder privaten Erinnerung. Im Bewusstsein, dass Walter Benjamin zufolge jedes Dokument der Kultur und damit auch der Überlieferung der Kultur immer auch eines der Barbarei ist, bürstet Johnson die kollektive Erinnerung gegen den Strich. Ausgehend von der individuellen Erinnerung der Titelfigur Gesine Cresspahl entwickelt die Erinnerungsarbeit der Jahrestage eine eigenwillige Perspektive auf die offizielle, ‚große‘ Geschichte. Johnsons Umgang mit der Kulturtechnik des Erinnerns ist kein bewahrender, sondern eine kritischer, wo in dialektischen Bildern Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Diese Betrachtung gegen den Strich, die darum weiß, dass die offizielle Erinnerungsarbeit andere Daten vergessen machen will, erlaubt einen neuen Blick auf die Geschichte. In Johnsons Roman ist es nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich, dass hinter jedem Datum ein anderes in Form eines Schibboleths steht.