Ambiguitätstoleranz und die Dinge des Lebens

Der Artikel untersucht zunächst in der Literatur der Vormoderne das Verhältnis von Lüge und Verstellung zu Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die dort zu beobachtende Akzeptanz von Ambiguität verdankt sich der Tatsache, dass „Echtheit“ des Charakters in der moralistischen Semantik und „Intimität“ in der K...

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Τόπος έκδοσης:URI:https://journals.openedition.org/ceg,
Κύριος συγγραφέας: Hülk, Walburga
Μορφή: Article ou chapitre numérique
Γλώσσα:Allemand
Έκδοση: Cahiers d’études germaniques 2017
Θέματα:
Διαθέσιμο Online:Accès Université d'Orléans et IFPM
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Περιγραφή
Περίληψη:Der Artikel untersucht zunächst in der Literatur der Vormoderne das Verhältnis von Lüge und Verstellung zu Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die dort zu beobachtende Akzeptanz von Ambiguität verdankt sich der Tatsache, dass „Echtheit“ des Charakters in der moralistischen Semantik und „Intimität“ in der Klassifikation sozialen Lebens keine Kategorien waren. Das moralische, auf Augustinus zurückgehende Argument hingegen, das in Rousseaus Kardiognostik einen Höhepunkt erreicht, macht diese Aspekte zum Prüfstein des Individuums. Während heute in verschiedenen Feldern angeknüpft wird an das vormoderne „Rollenspiel des Lebens“, vermittelt die Literatur um 1900 – vor allem Schnitzler und Proust – eine Vorstellung der Irritationen und Qualen, die der Verdacht auslöst, wenn er in Intimkommunikation einbricht. Während in Schnitzlers Traumnovelle Ambiguität ausbalanciert wird, besetzt die Idee der generalisierten Falschheit von Zeichen und Charakter das Denken nahezu aller Protagonisten in Prousts Roman À la recherche du temps perdu. Dessen sprachphilosophischer und anthropologischer Einsatz ist radikal pessimistisch.