Faust : Walpurgisnacht

An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert nimmt Goethe das Faustthema wieder auf und gestaltet eine moderne Tragödie, die durch seine persönlichen anthropologischen, wissenschaftlichen und ästhetischen Reflexionen geprägt ist. Der Teufel und die Hexen repräsentieren nicht mehr das Böse in einer durch...

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In:URI:https://journals.openedition.org/ceg,
Main Author: BLONDEAU, Denise
Format: Article ou chapitre numérique
Language:Français
Published: Cahiers d’études germaniques 2020
Subjects:
Online Access:Accès Université d'Orléans et IFPM
Accès Université d'Orléans et IFPM
Description
Summary:An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert nimmt Goethe das Faustthema wieder auf und gestaltet eine moderne Tragödie, die durch seine persönlichen anthropologischen, wissenschaftlichen und ästhetischen Reflexionen geprägt ist. Der Teufel und die Hexen repräsentieren nicht mehr das Böse in einer durch die kirchlichen Institutionen dominierten symbolischen Ordnung und den mit ihr verbundenen phantasmatischen Befreiungen einer unterdrückten Sexualität und Darstellungen der Verbote und Tabus. Die Negativität des Teufels und der Hexen illustriert hier die Tendenz der Materie zum eigenen Verfall und zur Negation des Lebens. Goethe gibt die rein moralische Befragung zu Gunsten einer ausgesprochen modernen wissenschaftlichen Reflexion auf, wobei die Befragung der Naturwissenschaft zu einer Reflexion über das Phänomen des Lebens wird. Teufel und Hexen haben aber auch eine dramaturgische und ästhetische Funktion. Faust verlässt den Sabbat zu Gunsten der Darstellung der Qualen einer jungen verurteilten Frau. Die Brechung des theatralischen Spiels in der mise en abyme ist Teil der ästhetischen Reflexionen des Autors.