Die Entmachtung des Teufels. Das Jenaer Ereignis 1715 und die Dämonologie der Aufklärung

In der thüringischen Universitätsstadt Jena ereignete sich zum Jahresende 1715 ein Vorfall, der zu einer lebhaft geführten Debatte über die Macht des Teufels überleitete. Bei einer versuchten Geisterbeschwörung waren drei Menschen ums Leben gekommen. In der Diskussion über das Ereignis standen sich...

Cijeli opis

Spremljeno u:
Bibliografski detalji
Izdano u:URI:https://journals.openedition.org/ceg,
Glavni autor: Nicklas, Thomas
Format: Article ou chapitre numérique
Jezik:Allemand
Izdano: Cahiers d’études germaniques 2020
Teme:
Online pristup:Accès Université d'Orléans et IFPM
Accès Université d'Orléans et IFPM
Opis
Sažetak:In der thüringischen Universitätsstadt Jena ereignete sich zum Jahresende 1715 ein Vorfall, der zu einer lebhaft geführten Debatte über die Macht des Teufels überleitete. Bei einer versuchten Geisterbeschwörung waren drei Menschen ums Leben gekommen. In der Diskussion über das Ereignis standen sich in der Folge zwei unvereinbare Positionen gegenüber. Für die einen waren die Todesfälle dem unmittelbaren Einwirken des Teufels zuzuschreiben, während andere von natürlichen Todesursachen ausgingen. Allgemein handelte es sich dabei um die Frage, ob Satan auch am Anfang des 18. Jahrhunderts noch Macht über menschliche Körper hatte. Vor allem die Mediziner fühlten sich angesprochen, wenn es galt, mit wissenschaftlicher Autorität auf diese Frage zu antworten. Dabei bildeten sich unter den mitteldeutschen Universitäten verschiedene Positionen aus. Während man in Jena Argumente für die Fortdauer der Macht des Teufels über die Körper formulierte, trat in Halle der angesehene Mediziner Friedrich Hoffmann für die These von den natürlichen Ursachen ein. Schließlich mussten die Leipziger Fakultäten in der Streitsache ein wissenschaftliches Urteil fällen, das dem Teufel keine Macht über die Materie mehr zubilligte. Eine genauere Untersuchung der Ansichten des als gelehrte Autorität geltenden Professors Hoffmann macht jedoch deutlich, dass es durchaus eine Dämonologie der Aufklärung gab, in der auch Satan seinen Platz fand. Freilich meinte der Aufklärer, dass dessen Macht zunehmend im Schwinden begriffen sei.