Zur Verschränkung von Politik, Natur und Ästhetik in Peter Handkes Jugoslawien-Texten und Saša Stanišićs Herkunft

Die Frage, welche Literatur prämiert und öffentlich gewürdigt werden soll, wurde im Herbst 2019 kontrovers diskutiert. Dies zeigt die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke, die wegen seiner in den neunziger Jahren publizierten Jugoslawien-Texte von einem Teil der Öffentlichkeit als un...

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Detalles Bibliográficos
Publicado en:URI:https://journals.openedition.org/austriaca,
Autores principales: Brokoff, Jürgen, Kandic, Djordje
Formato: Article ou chapitre numérique
Lenguaje:Allemand
Publicado: Austriaca 2022
Materias:
Acceso en línea:Accès Université d'Orléans et IFPM
Accès Université d'Orléans et IFPM
Descripción
Sumario:Die Frage, welche Literatur prämiert und öffentlich gewürdigt werden soll, wurde im Herbst 2019 kontrovers diskutiert. Dies zeigt die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke, die wegen seiner in den neunziger Jahren publizierten Jugoslawien-Texte von einem Teil der Öffentlichkeit als unzulässig und inopportun empfunden wurde. Dabei kam es zu einer signifikanten Verschiebung der lange andauernden Diskussion um Handke, als Saša Stanišić zeitgleich den Deutschen Buchpreis für seinen Roman „Herkunft“ erhielt. Der folgende Beitrag geht den poetologischen Differenzen zwischen Handkes Jugoslawien-Texten und Stanišićs Roman nach und nimmt deren romantisierende Naturpassagen in den Blick. Da Handke und Stanišić die bosnische Naturlandschaft beschreiben und sie implizit zugleich in Bezug zum Jugoslawien-Krieg setzen, treten im Rahmen einer vergleichenden Untersuchung die unterschiedlichen Ansprüche an den poetischen Text hervor. Es wird deutlich, dass bei Handke und Stanišić zwei entgegengesetzte Mechanismen am Werk sind: Während Handke die Naturschilderungen von der Katastrophe des Krieges freizuhalten sucht und sie mit dem Ziel einer Versöhnung ausblendet, gibt es bei Stanišić angesichts der Kriegsereignisse keinen Raum – auch keinen Naturraum mehr –, in dem die Verdeckung des kollektiven Traumas möglich wäre.